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Die Wiener Sängerknaben auf Malta -
Ein Workshop, zwei Konzerte und jede Menge Sightseeing


Wir fliegen nach Malta! Valletta ist Kulturhauptstadt 2018, und wir wurden – gemeinsam mit dem Chorus Viennensis – von Maltas Präsidentin Marie Louise Coleiro Preca eingeladen, dort zu singen. Es ist erst die zweite Tournee der Wiener Sängerknaben nach Malta; die erste fand 1989 statt. Malta ist etwas Besonderes.

Schon der Landeanflug ist ziemlich spektakulär: Unser Ziel ist ein Felsen mitten im Mittelmeer. Er wird rasch immer größer, und wir erkennen, dass es ein größerer und zwei kleinere Brocken sind: Malta, Gozo und Comino.

Am Flughafen wartet ein Komitee auf uns; die Beraterin der Präsidentin ist dort, ein Herr aus dem österreichischen Konsulat, der die Konzerte 1989 organisiert hat und immer noch davon schwärmt. Außerdem Joe, Francis und Klaudia, die sich in dieser Woche um uns kümmern werden.

Joe, Klaudia und Melissa haben sich ein tolles Sightseeing-Programm für uns ausgedacht; sie führen uns kreuz und quer durch die steilen, engen Gassen von Valletta, das Genist der Häuser, durch die Paläste, den Hafen und natürlich die große Kathedrale; sie erzählen von Großmeistern und Ordensrittern, von Schätzen und Belagerungen. Verlaufen kann man sich hier nicht: Valletta ist als Schachbrett angelegt. Später besuchen wir noch Sliema und Mdina. Höhepunkt ist vielleicht die dreistündige Kreuzfahrt rund um Valletta auf der Fernandes. Das ist eine alte türkische Gulet-Yacht mit zwei Masten, Schoner-getakelt. Inselfeeling und Piratenlaune. Sehr ramontisch!

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Samstagmorgen: Workshop

Wir befinden uns in einem riesigen Saal des Großmeister-Palastes in Valletta, genannt il-Palazz: Es ist die Supreme Council Hall mit dem Thron der Großmeister des Malteserordens. Die Wände sind mit goldgelber Seide bespannt, und unter der Decke erzählen prächtige Fresken von der Belagerung Maltas im sechzehnten Jahrhundert. Alle fünf Jahre findet hier die Amtseinführung der maltesischen Präsidenten statt. An diesem Samstag aber ein lautstarker Workshop mit zwei maltesischen Chören und – natürlich - uns, mit kuriosen Atemübungen, Chorgymnastik, Motetten, Jodlern, maltesischen Gesängen, Edward Elgar und Antonio Vivaldi, geleitet von einem Großmeister der Musik: Gerald Wirth.


Samstagnachmittag: Probe

Auf Einladung des Kirchenmusikdirektors Hamish Dustagheer proben wir in der Kurie des Erzbischofs von Malta; ein kühles, weitläufiges Gebäude mit einer barocken Hauskapelle, Maria geweiht. Hier kann man – gewissermaßen unter Wettkampfbedingungen – Polkatexte proben. Der Nachhall zwingt zu genauem Text.
Später teilt sich die Probe; Luiz de Godoy zieht sich in den Verhandlungssaal des Erzbischofs zurück, während Gerald Wirth mit Solisten in der Marienkapelle bleibt, um an Buxtehude und Bach zu feilen.


Sonntag: Ko-Kathedrale San Gwann

Zwischen zwei und vier Uhr haben wir die Kirche für uns; San Gwann ist für Besucher gesperrt, und wir können die Akustik testen. Hamish erzählt, dass es ursprünglich die private “Kapelle” des Malteserordens war. Von wegen Kapelle … San Gwann ist riesig, mit vielen Seitenkapellen und von oben bis unten vergoldet. Und sie klingt großartig.

Am Abend drängt sich ganz Malta vor der Kirche. Einlass ist nur mit Einladung und Zählkarte. Wir singen im Rahmen der Abendmesse. Die Kirche ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Und irgendwie singt das ganze Gebäude mit.

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Montag: Courtesy Call – Empfang bei Maltas Präsidentin

Die Präsidentin empfängt uns im San Anton Palace: Das it eine beeindruckende Anlage. Wir ziehen durch die Gartenanlagen in eine der kleinen Kapellen. Hier warten wir, bis wir gerufen werden. Dann geht es durch das rote Musikzimmer und einen kleinen ovalen Salon in den Empfangsaal. Wir nehmen Choraufstellung. Die Präsidentin erscheint und schüttelt jedem von uns die Hand. Sie geht sogar durch die Reihen. Nach einer sehr netten Ansprache gibt es für jeden von uns einen präsidialen Kugelschreiber. Wir revanchieren uns mit Mendelssohn, Hebe deine Augen auf. Die Männer vom Chorus singen mit.

Anschließend gibt es ein Buffet. Weil es vorher geregnet hat, findet es in einem kleinen Salon statt. Es gibt verschiedene sehr leckere Nudelvariationen und Brownies zum Nachtisch. Die Palastangestellten staunen, was wir alles verdrücken können.

Herr de Godoy spielt im Nebenzimmer auf dem Steinway des Palastes. Happy Hour in San Anton. So lässt es sich leben.

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Dienstag: Konzert

Am Abend  findet das Konzert im historischen Teatru Manoel statt. Es gilt als drittältestes Theater der Welt, seit 1732 wird hier gespielt – in dem Jahr wurde Joseph Haydn geboren. Weil das Theater so klein ist, wurden die Karten heimlich verkauft. Obwohl es in der ganzen Stadt kein einziges Plakat gibt, ist an der Kasse eine Schlange von Menschen; darunter sind auch Fans aus Japan, die uns nachgereist sind.  Für eventuelle Kartenrückgaben gibt es eine Warteliste. Zu unserem Konzert sind alle 623 Plätze besetzt – es wirkt, als könne man den Zuschauern in den Logen von der Bühne aus die Hand schütteln. In der Mittelloge sitzt die Präsidentin. Wir singen ein weltliches Programm. Da Valletta Kulturhauptstadt ist, haben wir eine musikalische Europareise mitgebracht. Das Publikum freut sich – und wir freuen uns mit. Der Erlös des Konzertes geht an den Malta Community Chest Fund, der mit dem Geld Menschen auf Malta unterstützt, denen es nicht gut geht.

Es gibt noch eine kleine (und sehr ausgelassene) Nachfeier in einer für uns gemieteten Bar, mit Mocktails und unseren eigenen DJs. Joe und Francis sind dabei.

Ein offizieller Empfang, ein Workshop, zwei Konzerte und jede Menge Sightseeing und ein paar Brocken maltesisch. Am Ende der Woche haben wir den Eindruck, dass wir mit ganz Malta befreundet sind. We will be back – most definitely. Das hoffen wir. Grazzi!